Institute for Justice and Democracy in Haiti

German TV Features Haiti Cholera Story

Dauerproblem Cholera – durch die UN?

Vier Jahre nach dem Erdbeben in Haiti hat die Regierung Fortschritte beim Wiederaufbau gemeldet. Noch immer kämpft sie aber gegen die Cholera, an der fast 600.000 Menschen erkrankten. Experten machen die UN mitverantwortlich.

Martin Polansky, ARD-Hörfunkstudio Mexiko
11. Januar 2014

Proteste in Port-au-Prince. “Cholera – Minustah” rufen die Demonstranten. Minustah, das ist die UN-Blauhelmmission, die für den Cholera-Ausbruch aus Sicht vieler verantwortlich ist. Mehr als 8300 Menschen starben an der Epidemie, fast 700.000 haben sich in den vergangenen drei Jahren angesteckt.

Einer von ihnen war Theoleme: “Ich habe meinen Sohn noch ins Krankenhaus gebracht”, sagt der alte Mann. “Aber dort ist er dann an der Cholera gestorben. Und ich bin ebenfalls krank geworden, doch zum Glück habe ich überlebt. Aber es ist schwer: Ich habe keine Arbeit und mein Sohn ist nun auch nicht mehr da.”

Fluss in Haiti (Archivbild) (Bildquelle: dpa)

Auch Jahre nach dem Erdbeben ist die humanitäre Lage in Haiti kritisch.

UNO soll Schadenersatz leisten

Theoleme will Schadenersatz – wie viele andere. Einige Menschenrechtsanwälte haben inzwischen eine Massenklage in New York eingereicht. Sie fordern jeweils 100.000 US-Dollar für die Angehörigen der Verstorbenen und 50.000 Dollar für die Überlebenden der Krankheit.

Nach dem Beben die Epidemie – Cholera in Haiti
M. Polansky, ARD Mexiko City
11.01.2014 02:18 Uhr

Nach Untersuchungen unabhängiger Experten gibt es deutliche Hinweise darauf, dass nepalesische Blauhelmsoldaten ein dreiviertel Jahr nach dem schweren Erdbeben die Krankheit ins Land gebracht haben, als ihre Abwässer aus Unachtsamkeit in einen Fluss gelangten. Nepal war damals Cholera-Region. Die Krankheit verbreitet sich über Wasser und viele Haitianer verwenden aus purer Not das Wasser der Natur. Rasend schnell konnte die Cholera daher zur Epidemie werden – und noch immer erkranken und sterben Menschen.

Allerdings: Die Vereinten Nationen haben immer versucht, Schuld von sich zu weisen und lehnen es ab, Schadenersatz zu zahlen. Sandra Honore, die Leiterin der UN-Mission in Haiti, will zu dem Thema am liebsten gar nichts sagen: “Der Generalsekretär hat bereits angeführt, dass für die Arbeit der UN-Missionen besondere Immunitätsrechte gelten. Es ist nicht die Praxis der Vereinten Nationen, gegen sie eingereichte Klagen zu kommentieren.”

UNO wird als Besatzungsmacht wahrgenommen

Diese Art der Kommunikationsstrategie macht die Mission der Vereinten Nationen in Haiti umso unbeliebter. Viele im Land betrachten die noch rund 9000 UN-Soldaten und Polizisten als Besatzungsmacht. Für manche ist es nur schwer erträglich, dass in dem Land, in dem sich die Sklaven vor 210 Jahren selbst befreit haben, fremde Soldaten bewaffnet patrouillieren. Andererseits hat die seit 2004 bestehende UN-Mission die Sicherheitslage deutlich verbessert und nach dem Erdbeben mitgeholfen, die größte Not zu lindern.

Karte: Haiti und Dominikanische Republik

galerie

Die Erfolgsaussichten der Schadenersatzklage dürften zwar eher gering sein – aber sie hat den Druck auf die Vereinten Nationen noch mal erhöht und bringt auch Haitis Präsident Michel Martelly in Erklärungsnöte. Der signalisiert den Klagenden zwar, dass er ihr Anliegen unterstützt. Gleichzeitig hat Martelly kein Interesse an einem offenen Konflikt mit der UN-Mission: “Wir werden der UN nicht die Schuld zuweisen.” Es gehe viel mehr darum, die Cholera zu bekämpfen und aus dem Land zu bekommen. “Dafür wollen wir mit den Vereinten Nationen zusammenarbeiten. Und da sind wir dran.”

Aber die Cholera ist zum Dauerproblem geworden und könnte noch Jahre in Haiti bleiben. Und mit der Infektion verbreitet sich auch die Wut auf die Mission der Vereinten Nationen.

 

Klicken Sie HIER für Original.

Contact IJDH

Institute for Justice & Democracy In Haiti
15 Newbury Street
Boston, MA 02116

Telephone: (617) 652-0876
General Inquiries: info@ijdh.org
Media Inquiries: media@ijdh.org

Givva
Use Giving Assistant to save money and support Institute for Justice and Democracy in Haiti Inc.